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Ausstellungen

Leo Grewenig im Fürstenlager

Der Meister und seine Schüler

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert ist der Maler Leo Grewenig (1898 – 1991) in Bensheim gestorben. Um sein Andenken bemüht sich nicht nur die Tochter Waltrud Hölscher-Grewenig als Nachlassverwalterin. Auch weitere Akteure haben in den vergangenen Jahren Grewenig-Ausstellungen organisiert. So waren im Bensheimer Museum Ausstellungen zu sehen, aber auch, initiiert durch den Verein  Kulturinitiative Leo Grewenig, eine Ausstellung im Heppenheimer Museum. Die Kunstfreunde Bergstraße haben Werke des Künstlers in Alsbach, Zwingenberg und im Damenbau des Fürstenlagers gezeigt. Dort wird der Verein am kommenden Sonntag eine weitere Werkschau eröffnen. Ergänzend zu den Schwerpunkten der vergangenen Ausstellungen konzentriert sich die Auswahl diesmal auf Arbeiten der 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Es war dies die Zeit, in der der Künstler für acht bis zehn Stunden in der Woche am Alten Kurfürstlichen Gymnasium als Kunsterzieher tätig war. Die Tätigkeit wurde abrupt beendet, als Grewenig einen Herzinfarkt erlitt. Durch die plötzliche Krankheit konnte er Schülerarbeiten, die er zur Beurteilung im Haus hatte, nicht mehr an ihre Urheber zurückgeben. Diese Bilder blieben bis heute erhalten, denn, so Waltrud Hölscher-Grewenig, „sie waren viel zu schön, um sie in die Papiertonne zu werfen“.

Eine Auswahl dieser Schülerbilder, meist sind es Malereien in Deckfarben, aber auch Tuschebilder, werden nun gemeinsam mit den Arbeiten des Lehrers im Damenbau zu sehen sein. Unter den damaligen Schülern sind einige bekannte Bergsträßer Namen, darunter der des verstorbenen Architekten Franz Hajek, aber auch der von Dr. Benno Wölfel. Dieser erinnert sich noch gut an den Unterricht bei Leo Grewenig, als er zehn bis zwölf Jahre alt war. Grewenig habe immer die Kreativität der Schüler gefördert und  sie in ihrer Arbeit bestärkt. Dafür sei er von den Schülern gemocht und verehrt worden. Der Lehrer habe seine Aufgabe sehr ernst genommen und sei durchaus auch einmal aus der Haut gefahren, wenn die Schüler nicht aufmerksam waren. Mit den Arbeiten der Schüler habe er sich intensiv auseinandergesetzt, dabei sei es auch immer wieder vorgekommen, dass Grewenig selbst in das Schülerbild hineingemalt habe.

Gut möglich also, dass Ausstellungsbesucher mit geübtem Auge den ein oder anderen Strich des Meisters in den Kinderbildern entdecken. Ansonsten herrscht aber kein Mangel an Originalen. Zu sehen sein wird ein ganzer Raum mit Leinwandbildern Grewenigs, dazu zwei weitere Räume mit Arbeiten auf Papier.  Zu entdecken sind unter den Exponaten, die aus dem Nachlass und aus zwei Privatsammlungen stammen, etliche Arbeiten, die bislang noch nicht häufig zu sehen waren.  Und wer das Werk des Bauhausschülers Grewenig erst noch kennenlernen möchte, kommt mit einem Raum auf seine Kosten, der beispielhafte Bilder aus den frühen Jahren versammelt, beginnend mit dem Selbstbildnis von 1916/17. Ein schönes Detail am Rande: Bei der Vorbereitung der Ausstellung half Karl-Heinz Zahn, der schon zu Lebzeiten Leo Grewenigs häufiger für die Hängung von dessen Bildern verantwortlich war und sich noch gern an die gute Zusammenarbeit mit dem Künstler erinnert.

Die Vernissage am Sonntag, 2. Juli, beginnt um 17 Uhr. Die Ausstellung wird durch den Vorsitzenden der Kunstfreunde Bergstraße Dr. Benno Wölfel eröffnet. Der Bensheimer Museumsleiter Christoph Breitwieser, zweiter Vorsitzender der Kulturinitiative Leo Grewenig, wird in das Werk des Künstlers einführen. Uwe Marquardt sorgt auf dem Saxophon für die musikalische Begleitung. Anschließend wird die Ausstellung noch bis zum 30. Juli zu sehen sein.